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Taijiquan & Qi Gong jeden Tag üben: 6x Motivation

Der russische Musiker A.G. Rubinstein soll mal gesagt haben:

“Wenn ich eine Zeitlang nicht ordentlich Klavier übe, so merke es am ersten Tag bloß ich selbst, am zweiten Tage merkt es die Kritik, am dritten Tage merkt es das Publikum, und am vierten Tag – werde ich ausgepfiffen!”

Zum Glück muss ich mit meinem Taijiquan und Qi Gong nicht vor Publikum auftreten, aber ich merke auch, wenn ich nicht geübt habe. Jeden Tag üben ist auch eigentlich gar nicht so schwer, bei mir klappt es immer besser. Damit auch Du so viel üben kannst, habe ich nochmal ein paar Ideen, wie Du Dich motivieren kannst:

Nutze die Zeit um ruhig werden. Ich genieße diese ruhige Zeit mit mir selber. Ich gönne mir diese Auszeit. Kennst Du das nicht auch: Du wälzst ewig ein Problem und dann, wenn Du Dich entspannst, z.B. beim “Qi wecken”, hast Du auf einmal eine Idee oder Lösung im Kopf!

Denk an das seltsame Gefühl, wenn Du nicht übst. Irgendwie fühlt es sich doch nicht gut an, wenn Du weißt “wieder nicht geübt”. Also übe!

Buche eine Einzelstunde bei Deinem Lehrer. Du wirst vorher motiviert sein zu üben (damit Du nicht blöd dastehst) und hinterher, weil Du so voll neuer Impulse sein wirst!

Setz Dir ein Ziel. Nimm Dir vor, in x Wochen die Form alleine laufen zu können. Oder dass Du x Tage am Stück üben möchtest. Wenn Du Dein Ziel erreichst, belohne Dich (z.B. mit einer Einzelstunde bei Deinem Lehrer)!!

Schreib auf Deinem Blog über Dein Ziel. (Ok, ertappt, genau das tue ich hier auf meinem Blog, z.B. im Rückblick 2014.) Und dann berichte, wie es Dir mit Deinem Ziel geht. (Mein Rückblick 20156 kommt natürlich Anfang Januar) Wenn Du keinen eigenen Blog hast, hinterlasse gerne hier bei mir einen Kommentar mit Deinem Ziel. Ich bin gespannt!

Nutze Motivationssprüche. Auch wenn sie manchmal etwas abgedroschen sind, es gibt unglaublich viele schöne Sprüche, die mich motivieren. Ich habe eine Motivations-Pinnwand bei Pinterest eingerichtet, um sie zu sammeln. Wenn ich gar keine Lust habe zu üben und vor dem Rechner sitze, dann lese ich dort ein bißchen und dann geht’s los!

Lass Dein Qi fließen!

Angelika

 

Es geht nicht darum, JETZT ALLES RICHTIG zu machen

Ein Grund, warum viele nicht zuhause Taijiquan und Qi Gong üben, ist dieser: “Aber ich kann doch die Übung oder die Form noch gar nicht richtig!”

Nun ja, die Sache ist die: Niemand kann Qi Gong oder Taijiquan perfekt richtig. Du nicht, Dein Lehrer nicht, die Lehrerin Deines Lehrers nicht, der Meister der Lehrerin Deines Lehrers kann die Form auch nicht PERFEKT. Stell Dir vor: es kann wirklich niemand auf dieser Welt absolut perfekt Taijiquan oder Qi Gong!

Ich bin davon überzeugt, dass jedeR noch dazulernen kann. Nur wer noch lernen kann, kann auch wachsen. Selbst der meisterlichste Meister kann doch noch lernen und wachsen!

Lernen und wachsen hört nie auf. Egal, wie lange Du schon Taijiquan und Qi Gong machst, Du kannst immer weiter lernen und wachsen. Ist das nicht sehr beruhigend? Du wirst immer mehr dazulernen. Also übe was Du jetzt verstanden hast und übe das, wo Du Dir noch nicht sicher bist. Entdecke die Bewegungen.

Beim Taijiquan und Qi Gong geht es nicht nur darum, den Körper zu entspannen und gut zu bewegen. Entspanne Deinen Geist, indem Du nicht nach Perfektion strebst, sondern einfach übst!

Ich habe letztens dazu eine schöne Erzählung entdeckt.

Die Geschichte handelt von einem eifrig Meditierendem. Nachdem er sich jahrelang auf ein ganz bestimmtes Mantra konzentriert hatte, hatte er genug Erkenntnis erlangt, um zu unterrichten. Seine Demut war noch nicht so ausgeprägt, aber die Lehrer des Klosters fanden das unbedenklich.

Nach einigen Jahren erfolgreichen Unterrichtens dachte der Meditierende, er müsste nicht mehr von anderen lernen. Als er aber von einem berühmten Eremit hörte, der nicht weit entfernt wohnte, wollte er die Gelegenheit nutzen, ihn zu besuchen.

Der Eremit lebte allein auf einer Insel inmitten eines Sees. Also warb der Meditierende einen Mann mit Boot an, der ihn hinüberfahren sollte.

Der Meditierende begegnete dem Eremit mit großem Respekt. Während sie zusammen einen Tee trenken fragte der der Meditierende den Eremiten nach seiner spirituellen Praxis. Der alte Mann sagte, er hätte keine spirituelle Praxis, außer einem Mantra, das er die ganze Zeit für sich wiederhole. Der Meditierende war erfreut zu hören, dass der Eremit dasselbe Mantra sprach wie er selbst. Aber als er den Eremit das Mantra laut sprechen hörte, war er entsetzt!

“Was ist falsch”, fragte der Eremit.

“Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber ich befürchte, Sie haben Ihr ganzes Leben vergeudet! Sie sprechen das Mantra nicht richtig aus!”

“Oh, das ist ja furchtbar. Wie sollte ich es denn sagen?”

Der Meditierende erklärte dem Eremiten die korrekte Aussprache und der Alte war dafür sehr dankbar. Er bat darum, sich nun allein dem korrekten Mantra widmen zu dürfen.

Auf der Fahrt zurück zum Ufer sprach der Meditierende, der sich nun als Lehrer bestätigt sah, über das traurige Schicksal des Eremiten. “Es ist so ein Glück, dass ich ihn besucht habe. Wenigstens wird er nun Zeit haben, das Mantra korrekt zu üben, bevor er stirbt.”

In dem Moment sah der Meditierende den schockierten Blick des Bootsführers und drehte sich um. Der Eremit stand respektvoll neben dem Boot auf dem Wasser.

“Entschuldigen Sie bitte, ich möchte Sie nicht weiter belästigen. Aber ich habe die korrekte Aussprache schon wieder vergessen. Könnten Sie sie bitte für mich wiederholen?”

“Sie benötigen es offentlich nicht”, stammelte der Meditierende, aber der alte Mann bestand, bis der Meditierende es nochmals aussprach. Der Eremit wiederholte das Mantra sehr vorsichtig und langsam, wieder und wieder, als er über das Wasser zurück zur Insel ging.

Diese Geschichte erklärt doch sehr schön, dass es gar nicht so wichtig ist, JETZT ALLES RICHTIG zu machen. Sondern es geht vielmehr darum zu üben. ÜBEN ÜBEN ÜBEN.

Lass Dein Qi fließen!

Angelika

 

Reicht es, einmal pro Woche im Qi Gong-Kurs zu üben?

Naja, das kommt darauf an, was Du erreichen willst. Vielleicht reicht es Dir ja nur zum Kurs zu gehen und die Zeit dort zu genießen. So ein Kurs ist wie eine Entspannungsinsel im Alltagsgewühl. Aber falls Du mehr aus Deinem Qi Gong-Kurs herausholen willst, dann fang an, zuhause zu üben.

Ich geb Dir mal ein Beispiel: Mal angenommen, Du gehst zu einem Kurs in englischer Konversation. Natürlich werden Deine Sprachkenntnisse profitieren, wenn Du einmal pro Woche zum Kurs gehst. Aber Du kannst Dir sicher vorstellen, wieviel mehr es Dir bringt, wenn Du außerdem noch jeden Tag Vokabeln lernst. Oder ein englisches Buch liest. Oder Dich regelmäßig mit einer Muttersprachlerin zum Tee verabredest!

Genauso ist es mit Deinem Qi Gong-Kurs. Wenn Du einmal pro Woche hingehst wirst Du merken, dass es Dir gut tut. Und das ist ja schonmal wunderbar. Vielleicht ist das für Dich schon ausreichend. Es ist ein Anfang. Wenn Du aber mehr willst, dann kommst Du nicht drumherum, auch zuhause zu üben.

Jetzt sagst Du vielleicht: aber wie merke ich mir all diese verschiedenen Übungen?

Du kannst zum nächsten Qi Gong-Termin ein Blatt Papier und einen Stift mitnehmen. Darauf notierst Du Dir EINE Übung, die Dir besonders gut gefällt. Diese Übung probierst Du zuhause aus, es reichen schon 5 Minuten! Und wenn Du merkst, dass Du die Bewegung noch nicht richtig kannst, dann frag beim nächsten Kurstermin nach. Deine Lehrerin wird sich sicherlich sehr über Deine Frage freuen.

Du kannst auch Deine Lehrerin oder Deinen Lehrer nach einem Buch fragen, das sie oder er Dir empfehlen kann. Ich finde z.B. dieses Qi Gong-Buch sehr gut. Und dieses Buch über die Traditionelle Chinesische Medizin ist auch für Einsteiger gut zu lesen.

Aber egal ob Du nur im Qi Gong-Kurs übst oder auch zuhause: das Beste, um regelmäßig zu üben ist, dass Du zum Kurs gehst!

Lass Dein Qi fließen!

Angelika

 

P.S.: Falls Du nun behaupten möchtest, Du hättest keine Zeit zum üben, dann lies diesen Artikel: Hast Du wirklich keine Zeit zum Üben?