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Was ist Qi?

Du gehst also nun zum Qi Gong- oder Taijiquan-Kurs und Deine Lehrerin spricht ständig vom Qi. Sie spricht vom Qi spüren und fließen lassen – aber was ist das eigentlich? Ich habe mal in verschiedenen Büchern nachgeschlagen, wie Qi definiert wird. Los geht‘s ganz einfach, dann wird es etwas komplizierter, aber es lohnt sich bis zum Ende zu lesen!

„Qi bedeutet “Lebensatem”. Jeder Mensch hat diesen Lebensatem.“ (Meister Wangs Fingerspiele)

„Ähnlich wie bei Yin & Yang lässt sich auch der Begriff Qi kaum in einer deutschen Übersetzung wiedergeben. Versuche, Qi zu beschreiben, verwenden Erklärungen wie Energie, Atem oder die bewegende Kraft, die den Makrokosmos (das Universum) genauso durchdringt wie den Mikrokosmos (den Menschen). Eine abstrakte Definition stellt Qi als das dar, was Lebendiges von Totem unterscheidet. In einem alten Text heißt es: “Der Mensch lebt inmitten von Qi, und Qi erfüllt den Menschen.“(Das Handbuch der Chinesischen Heilkunde)

„Grundlage des Lebens ist nach traditioneller chinesischer Auffassung “Qi”, das meist als Lebensenergie aufgefasst wird. Es entspricht dem japanischen “Ki”, dem indischen “Prana” und teilweise dem “Odem” unserer Kulturtradition. Damit ist jedoch nicht die Vielschichtigkeit erkennbar, die dieser Begriff im Chinesischen hat. Es bezeichnet unter anderem Atem, Luft, Gas, Geruch, Wetter, Dampf, Temperament, Gebaren oder die Art und Weise einer Sache.“ (Taijiquan für Einsteiger)

„Qi ist ein fundamentaler Begriff in der chinesischen Philosophie, aber kein englisches (oder deutsches) Wort kann seine Bedeutung auf angemessene Weise ausdrücken. Wir können sagen, dass alles im Universum – sei es organisch oder anorganisch – aus Qi zusammengesetzt und durch sein Qi definiert ist. Aber Qi ist weder ein unveränderlicher Urstoff noch einfach die Lebensenergie, obwohl das Wort gelegentlich so übersetzt wird. … Qi wird vielmehr funktional verstanden: durch sein WIRKEN.“ (Das große Buch der chinesischen Medizin)

„Die Übersetzung von Qi mit “Energie” ist eigentlich nicht zulässig, obwohl es heute üblich ist, es einfach als “Lebensenergie” oder “vitale Energie” zu bezeichnen. Die Bedeutung des Begriffs reicht jedoch viel weiter und ist von der traditionellen chinesischen Weltanschauung und Philosophie nicht zu trennen. … Die moderne Auffassung des Qi berücksichtigt diese umfassende Vorstellung bestenfalls nur noch am Rande. Manche Autoren gehen heute so weit, das Qi als “elektromagnetische Energie” oder “elektrische Energie” zu bezeichnen. Wenn man die vielseitigen Aspekte und Wirkungsweisen des Qi betrachtet, kann man zwar sagen, dass es elektrische bzw. elektromagnetische Energie BEEINFLUSST, aber eine Gleichsetzung wäre völlig unsinnig. Man kann Analogien herstellen und Modelle ausdenken, um die Funktion des Qi zu beschreiben. Vom Standpunkt des chinesischen Denkens ist es jedoch nicht wichtig, ja nicht einmal sinnvoll, Qi zu konzeptionalisieren und zu fixieren. Wichtig ist, dass es in verschiedener Weise erfahrbar ist und, vor allem: dass es WIRKT.“ (Das stille Qi Gong).

„Der Begriff Qi wird in der chinesischen Medizin immer dann verwendet, wenn von einer aktiven, sich aktuell manifestierenden und gerichteten Lebensenergie die Rede ist. Sie bezieht sich auf das jeweilige Individuum und wird deshalb individualspezifische aktive Energie genannt. Sie beinhaltet emotionale Bewegungen, alle gängigen Lebensfunktionen wie Atmung, Verdauung, Erzeugung von Körperbewegung oder alle anderen biologischen energetischen Prozesse.“ (dtv – Atlas Akupunktur)

 

Na, hast Du bis hierhin durchgehalten? Brummt Dir der Kopf? Dann fass ich das mal ganz einfach zusammen, wie ich das verstehe:

Du kannst Qi mit “Lebensenergie” übersetzen. Damit wird die Komplexität des Begriffes nicht erfasst, aber wenn Du unbedingt eine Übersetzung brauchst, dann ist diese ganz ok.

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) erklärt sich die Welt und den menschlichen Körper mit Qi. Du kannst Dir das so vorstellen: weil „Lebensenergie“ sich in Deinem Körper bewegt, bewirkt es, dass Du atmen, verdauen, Dein Bein heben kannst, usw.

Denk mal darüber nach: dass Du Dein Bein anheben kannst, erklärt die westliche Medizin mit so Begriffen wie Muskel & Sauerstoff & Mitochondrien…

Sich die Welt mit Qi zu erklären ist einfach nur ein anderes Modell, als es sich z.B. mit Atomen zu erklären! Es geht deshalb gar nicht darum, ob Du GLAUBST, dass es diese „Lebensenergie“ gibt. Qi ist einfach nur eine ERKLÄRUNG.

Wenn Dir bei einer Übung die Finger kribbeln, dann kannst Du sagen “oh, Blut fließt in meine Zellen und meine Nerven machen wasauchimmer”. Oder Du lässt Dich auf die chinesische Fachterminologie ein und sagst: “ich spüre, wie Qi in meinen Fingern fließt”. Deine Qi Gong-Lehrerin wird sicherlich beides verstehen!

Und am Ende noch eine gute Nachricht: solange Du lebst hast Du nach chinesischer Meinung Qi. Es ist also auf jeden Fall da!

Lass Dein Qi fließen!

Angelika

 

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Wie ich auf den Satz „Das ist mir zu esoterisch“ reagiere

Ich habe einige Jahre als Unternehmensberaterin gearbeitet. Währenddessen habe ich mit Taijiquan und Qi Gong angefangen. Ich habe gerne meinen KollegInnen davon erzählt. Und wenn ich grad so richtig drin war, vom Qi und von Yin & Yang erzählt habe, dann kam manchmal dieser Satz zurück:

“Das ist mir zu esoterisch.”

Ist Dir das auch schonmal passiert? Ich komme mir dann vor wie eine vernebelte, irrationale Spinnerin, obwohl ich doch eigentlich ganz klar bin im Kopf (finde ich 🙂 ).

Und nachdem mir das einige Male passiert ist, habe ich mich gefragt: was heißt eigentlich „esoterisch“?

„Esoterik ist in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten “inneren” Personenkreis zugänglich ist, im Gegensatz zu Exoterik als allgemein zugänglichem Wissen.“ (siehe Wikipedia)

Der Wikipedia-Artikel zu Esoterik ist verdammt lang. Aber bezogen auf Taijiquan und Qi Gong verstehe ich das so:

Exoterisch ist das Wissen, das Du in der Zeitung, in der Bücherei oder im Internet finden kannst. Du verstehst es, auch wenn Du Dich vorher noch nicht mit dem Thema beschäftigt hast.

Esoterisches Wissen kann auch in einem Buch oder online verfügbar sein. Aber Du brauchst Vorkenntnisse, um es zu verstehen. Bestimmte (Fach-)Begriffe musst Du quasi “verinnerlicht” haben. Ist ja klar, dass man sich erstmal Gedanken darüber macht, was “Qi” ist, bevor man sich mit “Abwehr-Qi”, “Organ-Qi”, “Atem-Qi”,… beschäftigt.

Manches esoterische Wissen ist vielleicht wirklich noch nicht aufgeschrieben worden. Taijiquan und Qi Gong haben viel mit persönlichen Erfahrungen zu tun. Diese Erfahrungen werden im Unterricht geteilt, aber es gibt ja keine Protokolle! Und auch in einem Kurs erfährst Du ja nicht sofort ALLES. Ein Meister wird eine absolute Anfängerin nicht unbedingt in der ersten Stunde fühlen lassen, wie sich seine Kuas öffnen.

Was mache ich also nun, wenn mir jemand sagt: “Das ist mir zu esoterisch”?

Ich verstehe das als Signal. Ich übersetze das in “Das ist mir zu viel detailliertes Wissen”.

Meistens lache ich dann. Und schließe ich das Thema einfach ab. Und freue mich auf den nächsten Kurstermin oder ein Treffen mit meinen Taijiquan- und Qi Gong-Freunden. Da können wir wieder hemmungslos über all die „esoterischen“ Dinge sprechen!

Angelika