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Interview mit Foen Tjoeng Lie über Taijiquan & Qi Gong in Deutschland und das tägliche Üben

Es war 2008, als ich gerade meinen Job als Unternehmensberaterin gekündigt hatte und nun endlich Taijiquan unterrichten wollte. Weil ich noch ein paar Wochen bis zum Beginn meines ersten Kurses hatte wollte ich verreisen und mich fortbilden – und bin auf die Sommerakademie der Kolibri Seminare gestoßen. So habe ich Foen Tjoeng Lie im Sommer 2008 in Weimar kennengelernt. Eine Woche lang habe ich von ihm die Peking-Form und E’Mei Qi Gong gelernt. Außerdem waren auch ein paar chinesische Meister dabei und viele nette TeilnehmerInnen. Ich denke sehr gerne an diese Zeit zurück. Weiterlesen

Die 5 Elemente und ihre Bedeutung für Deine Qi Gong-Praxis

Vor einiger Zeit habe ich schon mal erklärt, was eigentlich die 5 Elemente sind. Nämlich Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser.

Qialance_5 ElementeAber warum solltest Du Dich überhaupt damit beschäftigen, wenn Du Qi Gong übst? Wäre die Zeit nicht besser genutzt, wenn Du einfach eine Übung machst statt hier über die 5 Elemente was zu lesen?

Ich finde, beim Qi Gong geht es doch auch darum, sich selbst kennenzulernen. Zu merken, was mir gerade besonders gut tut oder wo es noch “hakt”. Und deshalb beschäftige ich mich damit, wie es in mir und meinem Körper aussieht (= mein Mikrokosmos), aber auch, wie die Welt um mich herum ist (= mein Makrokosmos).

Die alten Chinesen hatten eine etwas andere Sicht auf den Mikro- und Makrokosmos als wir. Während wir heute gerne von Atomen, Molekülen etc. sprechen, nehmen sie Yin & Yang und die 5 Elemente. So erklärten sie sich eben die (menschliche) Natur – und in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gilt das bis heute.

Alles kann Yin & Yang zugeordnet werden (Tag & Nacht, Hitze & Kälte). Wenn ich nun mein Leben besonders gut an die Natur anpassen möchte, dann sollte ich auch mein Leben an Yin & Yang anpassen. Tags bin ich wach, nachts schlafe ich. Im Sommer bin ich aktiv, im Winter ruhe ich.

Das sind allerdings sehr allgemeine Angaben. Doch es geht auch konkreter, nämlich wenn ich mir die 5 Elemente ansehe. Dann unterscheide ich im Laufe eines Jahres nicht nur zwischen Sommer (Yang) und Winter (Yin), sondern zwischen Frühling (Holz – kleines Yang), Sommer (Feuer – großes Yang), Spätsommer (Erde – Mitte), Herbst (Metall – kleines Yin) und Winter (Wasser – großes Yin).

So kann ich mir noch genauer überlegen, wie ich mich das ganze Jahr über an die Natur anpasse. Wenn Du Dich also ein wenig mit den 5 Elementen auskennst, kannst Du dieses Wissen für Deine Qi Gong-Praxis nutzen.

Im Frühling könntest Du besonders gut Übungen zum “aufwärmen” und (aus)dehnen machen. So wie auch die Natur aufwacht und sich reckt und streckt. Im Sommer kannst Du besonders aktiv sein mit Übungen, die Dich sehr bewegen. Im Spätsommer geht es darum, dass Du Dich gut nährst. Übungen für Milz und Magen sind dann besonders hilfreich. Im Herbst kann Du nochmal richtig alles einsammeln, um dann im Winter zur Ruhe zu kommen.

Das Wissen um die 5 Elemente hilft Dir also, Deine Übungspraxis besonders gut an Deine aktuelle Situation anzupassen. Du kannst in Dich hineinspüren, welche Übungen Dir gerade besonders gut tun könnten. Und Du kannst nach draußen sehen was um Dich herum geschieht und was dazu passen würde.

Ich selber finde es auch angenehm, meine Übungen von Zeit zu Zeit zu ändern. Zum Einen, weil sich Mikro- und Makrokosmos eben permanent ändern. Außerdem ist es dann abwechslungsreicher! Und die 5 Elemente sind eben ein guter Anhaltspunkt, welche Qi Gong-Übungen gerade gut sein könnten.

Lass Dein Qi fließen!
Angelika

P.S.: Wenn Du mehr über die 5 Elemente lesen möchtest empfehlen ich Dir diese Bücher: Fünf Elemente und Zwölf Meridiane oder Was ist Akupunktur (darüber habe ich auch schon eine Buchempfehlung geschrieben). Oder Du schaust Dir mal mein Arbeitsbuch TCM für TaijilerInnen an!

 

Ein Buch darüber wie das Leben aussieht, wenn Frauen die Kontrolle über Familie, Besitz und die Liebe haben

Vor kurzem war ich auf einem Seminar mit dem Thema “Qi Gong für die Frau”. Dort lagen auch ein paar interessante Bücher aus. Eins davon war Das Land der Töchter. Ich lese gerne Frauenbiografien und deshalb habe ich dieses Buch gleich gelesen.

Der Untertitel ist “Eine Kindheit bei den Moso, wo die Welt den Frauen gehört”. Die Moso leben in Südchina an der Grenze von Yunnan zu Sichuan. Myanmar und Tibet sind auch nicht weit. Das Buch wurde von zwei Frauen geschrieben:

Chistine Mathieu ist Anthropologin und hat sich intensiv mit der Moso-Kultur beschäftigt, bevor sie die andere Autorin, Yang Erche Namu, kennengelernt hat.

Yang Erche Namu (geboren 1966) ist eine erfolgreiche Sängerin und Autorin in China. Sie ist aber eben auch eine Moso und berichtet aus ihrer Kindheit. Das Buch endet mit ihrer Zeit an der Musikhochschule in Shanghai.

Was ist denn nun an der Volksgruppe der Moso so besonders? Nun ja, in einer Moso-Familie ist eine Frau das Haushaltsoberhaupt. Da es keine Ehe und somit auch kein “zusammenziehen & Familie gründen” gibt, leben alle im Haus der Mutter. Die erwachsenen Frauen haben jede ihr eigenes Schlafzimmer (das “Blumenzimmer”), wo sie nachts Männer empfangen können (ob und wen bestimmen sie selber).

Innerhalb der Familie sind die Frauen für Haus- und Feldarbeit zuständig, während die Männer viel unterwegs sind, z.B. als Karawanenführer oder Yak-Hirte.

Das Buch ist ganz sicher keine “typisch chinesische” Biografie, weil Yang Erche Namu aus einer kleinen Volksgruppe kommt. Aber gerade weil die Moso-Kultur so besonders, eben matrilinear ist, ist das Buch sehr interessant. Es hat mich beeindruckt und nachdenklich gemacht: wie gut es den Menschen wohl gehen kann, wenn Tratsch verpönt ist, die Frauen das Sagen haben und Haushalt und Liebschaft voneinander getrennt sind.

Also falls Du noch keine Buch für den nächsten Urlaub hast, ich empfehle Dir unbedingt, Das Land der Töchter zu lesen!

Lass Dein Qi fließen!

Angelika

P.S.: Wenn Du nicht abwarten kannst, bis Du das Buch in den Händen hältst, kannst Du hier schon mal weiterlesen:

Der Wikipedia-Eintrag über Yang Erche Namu ist sehr amüsant.

Yang Erche Namu hat einen (chinesischen) Blog. Ich kann zwar kein Chinesisch, aber es ist interessant, relativ aktuelle Fotos zu sehen!

Und bei Wikipedia findest du natürlich auch einen Eintrag zu den Moso.