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Der Kranich im Kampf

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Die Bewegung “Der weiße Kranich breitet seine Flügel aus” gibt es wohl in nahezu jeder Taijiquan-Form.

Es ist ja auch eine wirklich sehr schöne Bewegung. Dabei ist sie gar nicht so einfach: die unterschiedlich schnellen Armbewegungen fördern die Koordination und da Du am Ende auf einem Bein stehst, wird Deine Balance herausgefordert.

Der Kranich ist in China übrigens ein Symbol für ein langes Leben und Weisheit. Und wollen wir das nicht alle irgendwie erreichen?

Wenn im Taijiquan der Kranich seine Flügel ausbreitet, dann handelt es sich allerdings nicht nur um eine elegante Bewegung, sondern um eine Kampftechnik. Doch wie kämpfen Kraniche eigentlich? Ich habe mich mal umgeschaut und ein paar interessante Videos dazu gefunden. Zunächst ein Kranich im Kampf gegen 3(!) Tiger in einem chinesischen Zoo:

Wow!Das ist mal echt beeindruckend, wie der Kranich die Tiger immer wieder abwehrt – die haben echt Respekt vor dem Vogel!

Der Kranich ist im Taijiquan auch deshalb von Bedeutung, weil der legendäre Zhang Sanfeng die Idee für diese Kampfkunst gehabt haben soll, als er den Kampf zwischen einem Kranich und einer Schlange beobachtet hat. Deshalb habe ich für Dich ein Beispiel herausgesucht, wie ein Kranich gegen eine Schlange kämpft:

Und falls Du Dich noch nicht am Kranich Kampf satt gesehen hast, hier noch ein Video, wie ein Kranichvater einen Bären verjagt. Interessant wird es ab Minute 1:39:

So, es ist wohl klar: einen Kranich sollte man besser nicht unterschätzen! Also wenn Du das nächste Mal Deine Form läufst und der weiße Kranich seine Flügel ausbreitet, dann denke daran, wie geschickt, wendig und wirkungsvoll so ein Kranich ist!

Lass Dein Qi fließen!

Angelika

P.S.: Falls Du noch etwas mehr über “der weiße Kranich breitet seine Flügel aus” lesen möchtest, dann empfehle ich Dir bei Bruce Frantzis diesen Artikel.

 

Atmen während der Taijiquan-Form

Wenn man die Taijiquan-Form lernt, merkt man, dass man an total viele Dinge denken soll: Arme, Beine, Zentrum, Scheitelpunkt etc. Und irgendwann kommt die Frage: wie ist das eigentlich mit dem Atem? Wie soll ich während der Taijiquan-Form atmen?

Vor ein paar Jahren habe ich diese Frage einem chinesischen Meister gestellt. Als Antwort ist er schnell auf mich zugegangen und hat mich “angegriffen” bis ich mit dem Rücken zur Wand stand. Da hat er gefragt, ob ich während unseres “Kampfes” an meinen Atem gedacht hätte. Nein, hatte ich natürlich nicht!

Und er sagte mir, dass er auch nicht an seinen Atem denkt während er kämpft. Und die Form ist ja letztendlich ein Kampf.

Also: lass Deinen Atem frei fließen!

Es ist doch so: warum solltest Du etwas beeinflussen, was Dein Körper perfekt kann? Die Atmung ist ne komplizierte Angelegenheit, willst Du da Deinem Körper reinpfuschen? Vertraue darauf, dass Dein Körper immer die richtige Atmung für Dich findet!

Ich finde das total beruhigend. Es gibt eben schon soviel, an was Du während der Taijiquan-Form denken kannst. Bleibe einfach bei Deiner natürlichen Atmung.

Lass Deinen Atem frei fließen!

Angelika

 

Spielst Du noch oder kämpfst Du schon?

Du kennst das bestimmt, dass Taijiler*innen als Taijispieler*innen bezeichnet werden. Ich habe hier letztens einen interessanten Artikel übers “Taijiquan spielen” gelesen. Interessant finde ich (in meinen eigenen Worten):

Taijiquan zu spielen ist letztendlich ein Übersetzungsfehler. Man sagt im Chinesischen “dǎ Tàijíquán”. Im Englischen wird das anscheinend auch als “play Taijiquan” übersetzt. Aber im Deutschen müsste man korrekterweise “Taijiquan üben” sagen. In dem Artikel geht es dann noch weiter um äußeres und inneres Taijiquan.

Ich selber fand es ehrlich gesagt auch schon immer komisch “Taijiquan spielen” zu sagen oder zu lesen. Denn ein ganz wesentlicher Faktor ist für mich, dass Taijiquan eben eine Kampfkunst ist. Und irgendwie wird es Taijiquan nicht gerecht, wenn ich es “nur” spiele.

Beim Taijiquan lernt man doch, einen Standpunkt zu haben und zu verteidigen (ok, manchmal ist es auch gut einen Schritt zur Seite zu machen). Aber warum soll ich verbal einknicken und das eigene Üben herunterspielen? Warum soll ich das Lernen von Kampftechniken verniedlichen?

Ich werde sicherlich nicht morgen oder übermorgen oder irgendwann in den Ring steigen zu einem Kampf auf Leben und Tod, so martialisch bin ich dann auch wieder nicht. Aber mir ist sehr wohl bewusst, dass es sich bei Taijiquan um Kampftechniken und nicht ums Gänseblümchenpflücken handelt.

Aber das Schöne ist ja: jede(r) Taijiler*in kann für sich selber entscheiden, wie wichtig der Kampfaspekt ist oder ob es einem mehr um den Entspannungs- und Gesundheitsaspekt geht!

Happy Qi!

Angelika