Schlagwort-Archive: Faszination

Interview mit Akalendra Ludwig über Baguazhang

Letztes Jahr habe ich hier in München Akalendra Ludwig kennengelernt. Zuerst war ich bei einem Push-Hands-Workshop und danach noch bei einem Taijiquan-Workshop (alter Yang-Stil, den er bei Erle Montaigue gelernt hat). Es waren beides wunderbare Workshops. Aber Akalendras größte Leidenschaft ist das Baguazhang. Und so habe ich direkt mal die Gelegenheit genutzt, mit ihm genau darüber zu sprechen. Weiterlesen

108: eine wunderbare Zahl, die immer wieder auftaucht

Read about the significance of 108 in English

Hast Du auch Lieblingszahlen? Ich mochte schon immer gerne die 13 und seit ein paar Jahren die 108. Auch im Taijiquan spielt sie eine Rolle, so wird z.B. die lange Yang-Form als 108er Form bezeichnet. Man sagt, dass sie soviele Bewegungen hat.

Nun habe ich mir die 108 mal genauer angesehen. Vor allem im Hinduismus und Buddhismus gilt sie als heilige Zahl. Auf der Suche nach mehr Informationen bin ich auf sehr viele faszinierende Details gestoßen.

108

  • 11 x 22 x 33 = na? Taschenrechner zücken!
  • Die inneren Winkel der aneinander liegenden Linien in einem Pentagon betragen genau 108 Grad.
  • Die Distanz zwischen Erde und Sonne beträgt das 108fache des Durchmessers der Sonne. Und die Distanz zwischen Erde und Mond beträgt ebenfalls das 108fache des Durchmessers des Mondes!
  • Yuri Gagarins Flug (erster Mensch im Weltraum) dauerte offiziell 108 Minuten.
  • Das Volumen von gefrorenem Wasser steigt auf bis zu 108%
  • Ab einer Körperkerntemperatur von 108° Fahrenheit bekommen die menschlichen Organe lebensbedrohliche Schäden.
  • 108 ist eine Harshad-Zahl, d.h. eine natürliche Zahl, die durch die Quersumme ihrer Ziffern im Dezimalsystem teilbar ist. Harshad ist Sanskrit und bedeutet: “Freuden-bringend”.
  • Wo wir schon bei Sanskrit sind: das Sanskrit-Alphabet hat 54 Silben, jeweils männlich und weiblich = 108!
  • In vielen indischen Tempeln gibt es 108 Treppenstufen, Fenster etc.
  • Die im Hinduismus und Buddhismus üblichen Gebetsketten (Mala) haben 108 Perlen.
  • In Indien ist die Notfallnummer 108!
  • An Neujahr wird in buddhistischen Klöstern die Tempelglocke 108x geschlagen – um die bösen Eigenschaften zu vertreiben, denn von denen gibt es 108!
  • In Ägypten sollen 108 Pyramiden stehen.
  • Der Durchmesser von Stonehenge beträgt 108 Fuß.
  • Ein offizieller Baseball ist mit exakt 108 Stichen genäht.
  • Ein UNO-Spiel enthält 108 Karten.

Und nun zurück zum Taijiquan, zur 108er Yang-Form: man kann sicherlich die Bewegungen so zählen, dass man auf soviele Bewegungen kommt. Aber ich habe die Vermutung, dass die 108 bewusst gewählt wurde, weil sie vor allem im Hinduismus und Buddhismus eine sehr positive Bedeutung hat!

Aber egal warum sie nun so heißt, falls Du die 108er Form kannst, dann lauf sie doch jetzt einfach mal!

Lass Dein Qi fließen!

Angelika

P.S.: Wenn Du noch mehr über die 108 lesen möchtest, dann findest Du hier, hier und hier noch mehr Details.

 

 

 

 

Was ist Qi?

Du gehst also nun zum Qi Gong- oder Taijiquan-Kurs und Deine Lehrerin spricht ständig vom Qi. Sie spricht vom Qi spüren und fließen lassen – aber was ist das eigentlich? Ich habe mal in verschiedenen Büchern nachgeschlagen, wie Qi definiert wird. Los geht‘s ganz einfach, dann wird es etwas komplizierter, aber es lohnt sich bis zum Ende zu lesen!

„Qi bedeutet “Lebensatem”. Jeder Mensch hat diesen Lebensatem.“ (Meister Wangs Fingerspiele)

„Ähnlich wie bei Yin & Yang lässt sich auch der Begriff Qi kaum in einer deutschen Übersetzung wiedergeben. Versuche, Qi zu beschreiben, verwenden Erklärungen wie Energie, Atem oder die bewegende Kraft, die den Makrokosmos (das Universum) genauso durchdringt wie den Mikrokosmos (den Menschen). Eine abstrakte Definition stellt Qi als das dar, was Lebendiges von Totem unterscheidet. In einem alten Text heißt es: “Der Mensch lebt inmitten von Qi, und Qi erfüllt den Menschen.“(Das Handbuch der Chinesischen Heilkunde)

„Grundlage des Lebens ist nach traditioneller chinesischer Auffassung “Qi”, das meist als Lebensenergie aufgefasst wird. Es entspricht dem japanischen “Ki”, dem indischen “Prana” und teilweise dem “Odem” unserer Kulturtradition. Damit ist jedoch nicht die Vielschichtigkeit erkennbar, die dieser Begriff im Chinesischen hat. Es bezeichnet unter anderem Atem, Luft, Gas, Geruch, Wetter, Dampf, Temperament, Gebaren oder die Art und Weise einer Sache.“ (Taijiquan für Einsteiger)

„Qi ist ein fundamentaler Begriff in der chinesischen Philosophie, aber kein englisches (oder deutsches) Wort kann seine Bedeutung auf angemessene Weise ausdrücken. Wir können sagen, dass alles im Universum – sei es organisch oder anorganisch – aus Qi zusammengesetzt und durch sein Qi definiert ist. Aber Qi ist weder ein unveränderlicher Urstoff noch einfach die Lebensenergie, obwohl das Wort gelegentlich so übersetzt wird. … Qi wird vielmehr funktional verstanden: durch sein WIRKEN.“ (Das große Buch der chinesischen Medizin)

„Die Übersetzung von Qi mit “Energie” ist eigentlich nicht zulässig, obwohl es heute üblich ist, es einfach als “Lebensenergie” oder “vitale Energie” zu bezeichnen. Die Bedeutung des Begriffs reicht jedoch viel weiter und ist von der traditionellen chinesischen Weltanschauung und Philosophie nicht zu trennen. … Die moderne Auffassung des Qi berücksichtigt diese umfassende Vorstellung bestenfalls nur noch am Rande. Manche Autoren gehen heute so weit, das Qi als “elektromagnetische Energie” oder “elektrische Energie” zu bezeichnen. Wenn man die vielseitigen Aspekte und Wirkungsweisen des Qi betrachtet, kann man zwar sagen, dass es elektrische bzw. elektromagnetische Energie BEEINFLUSST, aber eine Gleichsetzung wäre völlig unsinnig. Man kann Analogien herstellen und Modelle ausdenken, um die Funktion des Qi zu beschreiben. Vom Standpunkt des chinesischen Denkens ist es jedoch nicht wichtig, ja nicht einmal sinnvoll, Qi zu konzeptionalisieren und zu fixieren. Wichtig ist, dass es in verschiedener Weise erfahrbar ist und, vor allem: dass es WIRKT.“ (Das stille Qi Gong).

„Der Begriff Qi wird in der chinesischen Medizin immer dann verwendet, wenn von einer aktiven, sich aktuell manifestierenden und gerichteten Lebensenergie die Rede ist. Sie bezieht sich auf das jeweilige Individuum und wird deshalb individualspezifische aktive Energie genannt. Sie beinhaltet emotionale Bewegungen, alle gängigen Lebensfunktionen wie Atmung, Verdauung, Erzeugung von Körperbewegung oder alle anderen biologischen energetischen Prozesse.“ (dtv – Atlas Akupunktur)

 

Na, hast Du bis hierhin durchgehalten? Brummt Dir der Kopf? Dann fass ich das mal ganz einfach zusammen, wie ich das verstehe:

Du kannst Qi mit “Lebensenergie” übersetzen. Damit wird die Komplexität des Begriffes nicht erfasst, aber wenn Du unbedingt eine Übersetzung brauchst, dann ist diese ganz ok.

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) erklärt sich die Welt und den menschlichen Körper mit Qi. Du kannst Dir das so vorstellen: weil „Lebensenergie“ sich in Deinem Körper bewegt, bewirkt es, dass Du atmen, verdauen, Dein Bein heben kannst, usw.

Denk mal darüber nach: dass Du Dein Bein anheben kannst, erklärt die westliche Medizin mit so Begriffen wie Muskel & Sauerstoff & Mitochondrien…

Sich die Welt mit Qi zu erklären ist einfach nur ein anderes Modell, als es sich z.B. mit Atomen zu erklären! Es geht deshalb gar nicht darum, ob Du GLAUBST, dass es diese „Lebensenergie“ gibt. Qi ist einfach nur eine ERKLÄRUNG.

Wenn Dir bei einer Übung die Finger kribbeln, dann kannst Du sagen “oh, Blut fließt in meine Zellen und meine Nerven machen wasauchimmer”. Oder Du lässt Dich auf die chinesische Fachterminologie ein und sagst: “ich spüre, wie Qi in meinen Fingern fließt”. Deine Qi Gong-Lehrerin wird sicherlich beides verstehen!

Und am Ende noch eine gute Nachricht: solange Du lebst hast Du nach chinesischer Meinung Qi. Es ist also auf jeden Fall da!

Lass Dein Qi fließen!

Angelika

 

Merken