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Interview mit Katrin Heilmaier vom QuantenHeilmaierBlog

Heute möchte ich Dir wieder mal eine Bloggerin vorstellen, die sich auch mit Taijiquan beschäftigt. Nämlich Katrin Heilmaier vom QuantenHeilmaierBlog!

Katrin_QuantenHeilmaierBlogKannst Du bitte ein bisschen mehr zu Deiner Person sagen:

Aufgewachsen bin ich im schönen Lübeck, oben im Norden an der Ostsee. Zum Studium der BWL zog ich nach Osnabrück, wo ich dann auch meinen Mann kennenlernte. Wir blieben dort bis wir vor knapp 3 Jahren uns und unsere 2009 gegründete gemeinsame Firma nach Nürnberg verlegten. Gemeinsam bloggen wir unter www.kwittungsblog.de. Darüber hinaus arbeite ich als Dozentin im Bereich der Erwachsenenbildung.

Seit ich in Nürnberg lebe, veranstalte ich auch Taiji-Worshops, am liebsten Push Hands. Über mein Taijiquan blogge ich auf dem QuantenHeilmaierBlog.

Seit wann machst Du Taijiquan?

Mit dem Taijiquan habe ich 2004 begonnen. Damals machte mir mein Rücken bzw. stellvertretend mein Arzt klar, dass ich nicht nur arbeiten, damals meine Hauptbeschäftigung, sondern auch Sport machen müsse. Dummerweise kann ich aber Sport im klassischen Sinne so gar nicht leiden. Also suchte ich nach einem „Alibi-Sport“, eher für mein Gewissen als für meinen Körper.

Taijiquan erschien mir damals geeignet, weil in der Kursbeschreibung Begriffe wie Entspannung, langsames Tempo und Ruhe standen. Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich da einließ, ging jede Woche brav zum Unterricht und machte innerlich einen Haken in meiner To-do-Liste. Doch dann kroch dieses Taijiquan immer mehr in mein Leben…

Oh, das kenne ich. Bei mir hat sich Taijiquan auch immer mehr in mein Leben geschlichen!Und lustigerweise habe ich auch 2004 damit angefangen!

Welchen Stil machst Du und warum?

Das von mir praktizierte Taijiquan ist ein Yang-Stil nach Art von Huang Sheng Shyan (1910 – 1992), der vorwiegend in Singapur und Malaysia bekannt ist. Meister Huang beherrschte auch Fujian White Crane und andere Kampfkünste ehe er Schüler von Cheng Man Ching wurde. Mein Lehrer, Wee Kee Jin, gehörte in den 1980er Jahren zum inneren Kreis seiner Schüler.

Die Kombination von den 5 Loosenings (von Huang entwickelte Übungen), der Form und fixed Push-Hands ist geeignet, um nach und nach die unterschiedlichen Aspekte wie Gesundheit, Meditation, Kampf usw. des Taijiquan zu entdecken und zu erfahren. Ich erkannte darin schnell den roten Faden, auch wenn ich (noch) nicht alles (perfekt und jederzeit) umsetzen konnte (und kann).

Unseren Stil und das Lehrsystem finde ich sehr überzeugend und logisch aufgebaut. Ich bin ein analytischer Mensch, bin dankbar für klare, erkennbare Strukturen wenn ich auf Forschungsreise gehe.

Was ist der größte Nutzen von Taijiquan für Dich?

Ja, (*schmunzeln*) der Nutzen interessiert jeden, erst recht einen BWLer. Das ist aber für mich ähnlich schwierig zu beantworten wie die Frage: Was ist Taiji? Obwohl (oder gerade weil?) ich keine Erwartungen hatte, stellte ich bald überrascht fest, dass die Prinzipien immer mehr Bereiche meines Lebens enterten. Trotzdem kann ich für mich nicht sagen, dass ich Taijiquan mache, um explizit etwas zu tun oder zu erreichen. Natürlich ist das Leben besser, wenn der Rücken nicht mehr schmerzt, ohne Gesundheit taugt der Rest des Lebens auch nicht viel. Aber Kampf? Selbstverteidigung? Mit diesen Schlagworten hätte mich keiner in eine Turnhalle gelockt. Den Nutzen konnte ich jahrelang nicht benennen. Ich mochte es. Punkt.

Inzwischen denke ich, das Tajiquan ermöglicht mir Erfahrungswissen. Ich erfahre etwas über mich. Über mein Verhalten und meine Handlungsweisen, über meine Reaktionen und meine Antwort auf die (Um-)Welt.

Erfahrungswissen wird im Vergleich zu intellektuellem Wissen meiner Ansicht nach leider oft unterschätzt. Wenn ich lese, dass das Weiche das Harte überwindet, kann ich das für (un-)möglich halten. Wenn ich es beobachte, beispielsweise bei Hochwasser, sehe ich, dass es dem Wasser möglich ist. Aber hat das was mit mir zu tun?

Diese Behauptung dann im Taijiquan als ganz persönliche (körperliche) Erfahrung zu erleben, ist beeindruckend, berührend, bewegend. Weiches überwindet Hartes. Kampf und Selbstverteidigung sind für mich also das Erfahrungsfeld für Entspannung und Mühelosigkeit. Klingt paradox. Darum wird es auch nicht langweilig. Für mich ist gerade die Partnerarbeit (Push Hands) im Taijiquan es etwas sehr, sehr Faszinierendes, weil es mein „normales“, tradiertes Weltbild auch auf den Kopf stellt.

Was würdest Du jemandem raten, der/die Taijiquan macht?

Ich kann nicht jemand anderem raten, ich kann nur für mich sprechen. Anfangs habe ich es abgelehnt, mich mit den klassischen Schriften zu beschäftigen, weil ich dachte, mir würde der kulturelle Zusammenhang oder das Wissen fehlen, so dass ich sie gar nicht verstehen könnte. Doch das ist so nicht richtig. Wir können heute ebenso die Natur beobachten wie damals die Menschen auch. Ein Baum ist ein Baum, ein Vogel ein Vogel, ein Mensch ist ein Mensch. Punkt. Die Sätze erscheinen dann teilweise zunächst banal, sind aber vielschichtig. Je nach Level ändert sich das Verständnis und damit öffnen sich wieder neue Horizonte. Für mich ist das Beobachten der Natur sehr wertvoll, daher bin ich auch so oft mit meiner Kamera unterwegs.

Meine persönliche Taktik im Taijiquan ist, mir möglichst nicht einzubilden, etwas zu „KÖNNEN“. Wenn ich denke, dass ich etwas kann, fixiert das meine Vorstellung und ich höre auf zu forschen und zu suchen. Besser, ich mache etwas, das manchmal meinen Vorstellungen entspricht oder „gelingt“ und manchmal nicht. Paradoxerweise ist das vermeintliche Scheitern dann oft gerade der Fortschritt. Zunehmend entwickelt sich das „Machen“ mehr zu einem „Geschehen lassen“. Ich bin gespannt, wie das weitergeht.

Ich denke, der Dreh- und Angelpunkt ist für mich letztlich Vertrauen. Vertrauen ins Taijiquan. Vertrauen in die eigene Entwicklung. Und Geduld, denn es ist ein Entwicklungsprozess.

„Vertrauen ins Taijiquan“ – das finde ich schön gesagt. Denn man weiß ja wirklich nicht, wohin einen das Üben führt. Wer waren bzw. sind denn Deine wichtigsten LehrerInnen?

Tja, das ist übersichtlich. Meine Basis-Ausbildung habe ich bei Hella Ebel in Osnabrück erhalten. Sie hat nach meinem Eindruck ein solides Fundament gelegt, langsam und sehr sorgfältig Bild für Bild der Form hinzugefügt. Natürlich wollten wir damals auch ganz schnell etwas „Können“ und haben zwischendurch gemurrt. Aber das nutzte nichts und dafür bin ich heute dankbar. Für die Kurzform brauchten wir etwa 4 Jahre. Wertvoll war im Rückblick auch, dass die eh schon verwirrende Anfangszeit ohne zusätzliche (Fremd-)Sprachbarrieren war.

Gemeinsam sind wir Schülerinnen von Wee Kee Jin, mein aktueller Lehrer. Dass Jin meiner Meinung nach sehr gutes Taijiquan praktiziert, versteht sich. Wie ich darauf komme? Nun, wenn wir zusammen freies Push-Hands machen, gibt es nicht eine Millisekunde, in der ich mich schlecht oder unangenehm behandelt fühlte. Im Gegenteil. Ohne den Hauch einer Chance „verliere“ ich ein ums andere Mal und bin anschließend heiter und glücklich. Taijiquan ist es für mich nur, wenn beide danach lächeln.

Jins Unterricht ist absolut klar und strukturiert. Wir dürfen an seinem Körper fühlen, welche inneren Vorgänge zu einer Bewegung gehören. Wir sollen ihm Fragen stellen. Wir sollen selbst denken und nicht „gläubig“ sein. Fortgeschrittene Schüler werden von ihm aufgefordert, sich auch andere Lehrer/innen mal anzusehen. Sie sollen ihr „eigenes“ Taiji entwickeln, keine Kopie werden. Das sind Rahmenbedingungen, in denen ich mich wohl fühle. Das „sich wohl fühlen“ ist mir wichtig. Wie sonst könnte ich entspannen?

Auch wenn es seltsam erscheinen mag, sage ich immer, viele Erkenntnisse stammen von meinen Laufenten im Garten, denen ich täglich zugeschaut habe.

Mit ihrer aufrechten Haltung sind sie weitgehend flugunfähig und damit stets gefährdet, Opfer anderer Tiere zu werden. Also „schwach und hilflos“ aus unserer Sicht. Entsprechend besorgt habe ich anfangs das Treiben der Nachbarskatzen beäugt. Die Laufenten kompensieren ihre „Schwäche“ aber durch extrem hohe Aufmerksamkeit für die Umgebung, überraschende Raffinesse und exzellentes Timing. Elemente, die ich im Taijiquan für mich umzusetzen lerne.

Das finde ich auch faszinierend, wieviel ich über Beobachtung lernen kann. Ich habe zwar keine Laufenten, aber ich sehe meinen beiden kleinen Kindern oft zu und entdecke (wieder) natürliche Bewegungen.

Du hast vorhin erwähnt, dass Du Dich mit den klassischen Schriften beschäftigst. Welche Bücher nimmst Du immer wieder gerne zur Hand?

Ich greife für die Klassischen Schriften auf Wee Kee-Jins Bücher (Taijiquan Wuwei: A Natural Process sowie Wee Kee Jin: „True To The Art“) zurück, das erste ist eher „technisch“, das zweite mit mehr Anekdoten angereichert. Es gibt leider viele Taiji-Bücher, die sich nur auf die Technik beschränken. Die finde ich ungefähr so anregend wie Aufbauanleitungen von schwedischen Möbelhäusern.

Persönliche Geschichten inspirieren mich viel mehr. Am meisten Spaß hatte ich mit Steal My Art – The Life and Times of T’ai Chi Master T. T. Liang von Stuart Alve Olson (leider nur auf Englisch zu bekommen). Den alten Herrn Liang hätte ich wirklich gerne kennengelernt, auch auf die Gefahr ein Opfer seiner Streiche zu werden.

Oh, das Buch lese ich gerade und kann es auch sehr empfehlen! Ich finde es schön, dass Taijiquan mit so viel Humor verbunden wird und eben nicht nur stumpfe, „seriöse“ Theorie.

Oder Alan Watts, dessen Humor mir ebenfalls behagt. Aber auch die Bücher von Wolfe Lowenthal über seine Zeit mit Cheng Man Ching gefallen mir. An ihnen ist gut zu erkennen, dass Taijiquan nicht auf die Zeit im Training beschränkt sein sollte, sondern rund um die Uhr die Lebensweise prägt.

Vielen Dank liebe Katrin für dieses schöne Interview!

Übrigens: als ich Katrin gefragt habe, ob sie meine Fragen beantworten möchte, da meinte sie, dass ich die Fragen doch auch mal beantworten könnte. Deshalb findet ihr das Interview mit MIR bei Katrin (hier)!

Und falls Du noch mehr über die Top 10 Blogs über Taijiquan erfahren möchtest, es gibt schon Interviews mit Matrin Bödicker von der Tai Chi-Ecke und Jörg Roth von der Tai Chi Akademie Kaiserslautern.

Lass Dein Qi fließen!

Angelika

 

Interview mit Jörg Roth (Blog: Tai Chi Akademie Kaiserslautern)

Nachdem ich Dir vor ein paar Wochen Martin Bödicker von der Tai Chi-Ecke vorgestellt habe, möchte ich Dir nun einen weiteren Taijiquan- und Qi Gong-Blogger vorstellen.

Nämlich Jörg Roth von der Tai Chi Akademie Kaiserslautern.

Kannst Du bitte ein bißchen mehr zu Deiner Person sagen:

Mein Name ist Jörg Roth, geboren am 09.02.1978. Beruflich bin ich Sänger der Rockband Saltatio Mortis.

Außerhalb der Touren mit Saltatio Mortis unterrichte ich Shaolin Kung Fu und Meditation an der Tai Chi Akademie Kaiserslautern.

Tai Chi und Qi Gong lerne ich bei unserem Großmeister Adelino Rondali und weiteren Meistern in Deutschland und China. Tai Chi und Qi Gong lerne ich schon seit 10 Jahren, seit 8 Jahren habe ich mein Training um Kung Fu erweitert.

JoergRoth_TaiChiAkademieKaiserslauternWelchen Stil machst Du und warum?

Ich trainiere Tai Chi Chen- und Yang-Stil, sowie Kung Fu und Qi Gong.

Im Kung Fu liegt mein Schwerpunkt in den Formen des Shaolin Tempels. Im Tai Chi interessiert mich besonders der Chen Stil, auch wenn ich im Moment zuerst meine Ausbildung im Yang-Stil fördere.

Setzt Du Dir einen besonderen Schwerpunkt, z.B. Gesundheit, Kampf, Meditation, Philosophie…?

Ich bin der Meinung, dass man keinen dieser Schwerpunkte voneinander trennen sollte. Aus diesem Grund habe ich vor 2 Jahren auch meine chanbuddhistische Ausbildung bei Meister Curtis-Clavin Dietrich begonnen.

Was ist der größte Nutzen von Taijiquan/Qi Gong für Dich? Wobei hilft es Dir?

Der größte Nutzen ist für mich die Entschleunigung unserer hektischen Welt. Das Schöpfen von neuer Energie und der körperliche Ausgleich.

Ich habe mit Tai Chi wegen einer Herz-/Kreislauferkrankung begonnen. Nach 2 Jahren konnte ich alle Medikamente absetzen und bin nun mit 37 Jahren fitter und gesünder als ich es mit 25 war.

Was würdest Du jemandem raten, der/die schon länger Taijiquan macht?

Öfter mal an externen Seminaren in aller Welt teilnehmen und verschiedene Meister besuchen. Am wichtigsten ist aber, dass man nie glaubt man hätte alles gelernt und wäre sehr gut in Tai Chi oder Qi Gong.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man egal wie lange man diese Kampfkünste betreibt, immer noch Lehrer oder einfach Menschen trifft, die einem einen neuen Aspekt oder neues Wissen mit auf den Weg geben können.

Meiner Meinung nach endet die Ausbildung mit dem letzten Atemzug.

Da stimme ich Dir zu. Das finde ich persönlich beruhigend, zu wissen, dass ich bis an mein Lebensende immer weiter lernen kann. Natürlich möchte man trotzdem immer besser werden. Wie geht das, Deiner Meinung nach?

Mit beharrlichem Üben und einem offenen, hörenden Herzen.

Wer waren bzw. sind Deine wichtigsten LehrerInnen?

Meine wichtigsten Lehrer sind:

Großmeister Adelino Rondali (Tai Chi Akademie Kaiserslautern): er hat mich sozusagen Laufen gelehrt. Außerdem verbindet uns jahrelanges Vertrauen.

Meister Curtis Clavin Dittrich (Dao Jun) ist mein geistiger Mentor.

Shi Yan Rui (Shaolinzentrum Bielefeld) ist einer der besten Freunde, die ich je hatte.

Außerdem sind da noch:

  • Shi Yong Dao (Shaolin Tempel Deutschland in Berlin)
  • Shi Yan Yao (Shaolin Tempel Deutschland in Berlin)
  • Shi Yan Kai (Shui Yu Tempel China)
  • Shi Yan Zaho (Shaolin Tempel China)
  • Shi Yan Fey  (Shaolin Tempel China)

Wo Du gerade vom Shaolin Tempel in China sprichst: Was reizt Dich daran, dort zu trainieren?

In China hat man einen ganz anderen Lehrstil als in Deutschland. Es wird nicht so viel geredet oder erklärt. Man muss seinen Weg selbst finden und auf seinen Körper hören. Die Meister zeigen einem den Ablauf und korrigieren die Bewegungen. Alles weitere muss man durch Achtsamkeit selbst erfahren.

Die Atmosphäre in China ist einfach wundervoll. Man verbringt Wochen mit Menschen, die ähnliche Ziele und Interessen haben. Außerdem kann man dort wunderbar seine Grenzen erfahren und erweitern.

Sprichst Du eigentlich Chinesisch?

Bei Chinareisen sind Sprachkenntnisse wirklich empfehlenswert. Manche kleinen Geheimnisse der Kampfkünste werden einem einfach erzählt, wenn man es versteht. Wenn der unterrichtende Meister sich mit Dir unterhalten kann, ist das Eis sofort gebrochen und das Training ist viel besser auf die eigenen Ziele abgestimmt. Außerdem erlebt man dann unvergessliche Dinge auch außerhalb des Trainings.

Wem würdest Du so eine Reise empfehlen?

Ich empfehle jedem Interessierten solche Reisen. Aber man sollte auch mal wagen andere Ziele oder Kampfkünste zu erleben. Das hilft oft Unklarheiten in dem Primärtraining zu überwinden.
Ich werde nächstes Jahr erst mal nach Indien reisen um einen Einblick in Kalari Payattu zu erhalten.

Oh, das klingt ja spannend! Aber wenn man nun nicht so weit reisen kann, gibt es vielleicht Bücher, die Du empfehlen kannst?

Meister Dietrich hat mich gelehrt, dass ich keine Bücher lesen soll, sondern meinen eigenen Erfahrungen mehr Gewicht geben soll. In Büchern findet man immer nur die Meinung eines anderen Menschen.

Ich tausche Erfahrungen lieber mit anderen Menschen als mit Papier. Man kann viel mehr erleben, wenn man mit Menschen direkt spricht und ihre Meinung direkt hinterfragen und mit der eigenen vergleichen.

Vielen Dank an Jörg für dieses interessante Interview!

 

Wenn Du mehr von Jörg lesen möchtest, dann klick Dich rüber zur Tai Chi Akademie Kaiserslautern. Dort findest Du z.B. Jörgs Bericht aus China.

Angelika

P.S.: Also ich gebe jetzt mal zu, dass ich in den letzten Jahren wirklich sehr wenig Musik gehört habe. Außer mehrmals wöchentlich Ritter Rost mit meinen Kindern. Aber ich habe mal bei Jörgs Band Saltatio Mortis reingehört und kann Dir von diesem Album dieses Lied empfehlen: Wo sind die Clowns in dieser Welt.

 

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Interview mit Martin Bödicker (Blog: Die Tai Chi-Ecke)

Wenn Du schon länger auf meinem Blog mitliest weißt Du, dass es mir sehr wichtig ist, Dir auch andere Taijiquan- und Qi Gong-Blogger vorzustellen. Die Liste aller deutsch- und englischsprachigen Blogs, die ich bisher gefunden habe, findest Du bei mir unter Qi-Blogs.

Aber ich möchte mehr über den Menschen hinter einem Blog erfahren, deshalb werde ich einige BloggerInnen interviewen. Und ich freue mich sehr, dass beim ersten Interview Martin Bödicker von der Tai Chi-Ecke mitmacht!

Martin BödickerZu meiner Person: Ich bin Doktor der Chemie und Diplomregionalwissenschaftler Ostasien. Ich habe lange Zeit das Forum für traditionelles Wu Tai Chi Chuan in Düsseldorf geleitet. Heute führe ich einen Fachverlag für Literatur rund um das Thema Tai Chi Chuan, Kampfkunst und China und blogge fleißig zu diesen Themen.

Seit wann machst Du Taijiquan/Qi Gong?

Während meiner Studienzeit in Düsseldorf übte ich Taekwondo- und Aikido. Schon recht früh, 1986, traf ich auch auf meinen Tai Chi-Lehrer Ma Jiangbao, der das vollständige System des Wu-Stil unterrichtete. Seit dem bin ich sein Schüler. Ich liebte das Training bei ihm (aus Altersgründen hat Ma Jiangbao seine Lehrtätigkeit beendet) und so war für mich der Lehrer (und seine Tai Chi-Familie in Shanghai) immer wichtiger, als welchen Stil ich übe. Ich mag alle Bereiche des Tai Chi Chuan, bin aber von Anfang an vom Pushhands besonders fasziniert gewesen.

Was ist der größte Nutzen von Taijiquan für Dich? Was hat sich für Dich verändert seit Du das machst?

Ich habe recht früh mit dem Unterricht des Tai Chi Chuan begonnen. Dort fand ich auch viele Freunde und so wurde diese Kunst schnell ein fester Bestandteil meines Lebens. Auch meine Frau sollte ich hier kennenlernen. Nach Abschluss meiner beiden Studiengänge bin ich zusammen mit meiner Frau professioneller Tai Chi-Lehrer/in geworden. Vor sechs Jahren habe ich meine Lehrtätigkeit beendet und mich ganz auf den Verlag und das Übersetzen von Tai Chi-Literatur konzentriert. So kann ich sagen, dass Tai Chi Chuan ein wesentlicher Teil meines Lebens ist.

Was würdest Du jemandem raten, der/die schon länger Taijiquan macht? Wie wird man immer besser?

Ein zentrales Element für den Fortschritt im Tai Chi Chuan ist für mich das Pushhands. Die Form kann von einem jeden intensiv alleine geübt werden. Aber dies kann auf Dauer für den Fortgeschrittenen nur noch zu mäßigem Fortschritt führen. Durch intensives Studium des Pushhands kann man sich aber leicht weiterentwickeln. Die Wechselwirkung zwischen Form und Pushhands ist doch enorm. Dabei sollte das Studium des Pushhands nach Möglichkeit auch stilübergreifendes Training beinhalten. So kann man das Erlernte testen und mit dem Feedback weitere Fortschritte vorbereiten.

Kannst du das noch etwas ausführen? Was bringt das Pushhands genau?

In den Klassikern heißt es: „Die Form vermittelt einem das Wissen von einem selbst. Das Pushhands vermittelt das Wissen vom anderen.“

Tai Chi Chuan ist als Kampfkunst kreiert worden. Um einen möglichst großen Fortschritt zu erreichen, sollten beide Aspekte, die Grundlage und die Anwendung, geübt werden. In der Anwendung, dem Pushhands, kann man sich Anfangs voll auf das Fühlen (tingjin) konzentrieren. Nach und nach wird es einem gelingen, den anderen und sich selbst besser wahrzunehmen. Diese bessere Wahrnehmung führt einem zum Verstehen (dongjin). Man wird Bewegungen, Kräfte, aber auch feinere Nuancen, wie Absichten des anderen einordnen und beantworten können. Von hier aus gibt es zwei mögliche Entwicklungen.

  1. Man ist mit diesem Stand der Entwicklung zufrieden und spiegelt ihn in das Formtraining zurück.
  2. Man entwickelt sich weiter in realistischere Techniken des Kampfes.

Am Ende gibt einem das Pushhands die Freiheit, sich auf vielen Ebenen zu entwickeln. So bewahrheitet sich dann der Satz aus dem „Klassiker des Tai Chi Chuan“:

„Es schweigend zu ergründen, bis man nach und nach frei ist, den Wünschen seines Herzens zu folgen.“

Ma Jiangbao und Martin Bödicker

Wer waren bzw. sind Deine wichtigsten LehrerInnen?

Neben Ma Jiangbao, waren sein Vater Ma Yueliang und seine Brüder Ma Hailung und Ma Jianglin für mich sehr wichtig. Daneben möchte ich meinem Aikido-Lehrer Eginhard Köhler recht herzlich danken. Das Aikido-Training mit ihm war auch eine sehr wichtige Zeit für mich.

Welche Bücher nimmst Du immer wieder gerne zur Hand?

Ich lese grundsätzlich sehr viel über Tai Chi Chuan – in Form von Büchern, aber auch im Internet. Immer wieder zur Hand nehme ich die Klassiker, gerne auch im Original.

Gerade habe ich wieder einmal über die natürliche Bewegung nachgedacht und dazu mir das Kapitel zur „bewussten Bewegung“ aus den Klassikern rausgesucht. Einfach klasse und so aktuell. Es heißt im Text 3 der „40 Texte der Familie Yang“, dass der Mensch zwar ursprünglich die natürliche Bewegung beherrscht, dass er diese aber durch (schlechte) Angewohnheiten verliert. Wie kehrt man zu ihr zurück?

Durch das Tai Chi-Training der bewussten Bewegung. Der Klassiker erläutert dann das Wort „bewusst“ näher. Es besteht aus zwei chinesischen Schriftzeichen: Erkenntnis und Fühlen.

Erst durch eine harmonische Kombination dieser zwei wird man zur natürlichen Bewegung zurückkehren können. Es bedarf also beidem, sowohl rationalem Durchdenken von Bewegung, als auch dem intuitivem Fühlen dessen, was passiert. Diese zwei sind wie Yin und Yang und erst zusammen ergeben sie das Tai Chi. Genau so habe ich es in meinem Unterricht gelernt und ich habe auch immer versucht, diesen Punkt an meine Schüler weiterzuvermitteln.

 

Martin, vielen Dank für das interessante Interview!

Und falls Du mehr von Martin lesen möchtest, hier geht es zur Tai Chi-Ecke!

Angelika