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Warum Du als TaijilerIn auch Qi Gong üben solltest

Ich gebe es zu: anfangs war ich etwas überrascht, dass im Taijiquan-Unterricht auch Qi Gong unterrichtet wurde. Aber naja, ich wollte unbedingt Taijiquan machen. Und ich dachte, da kann so ein bisschen Qi Gong zum Aufwärmen sicherlich nicht schaden.

In den letzten Jahren habe ich auch gemerkt, dass es Zeiten gab, in denen ich mehr Taijiquan gemacht habe und dann gab es wieder Monate, wo ich eher Qi Gong geübt habe. Ich wusste gar nicht, warum das so war. Manchmal brauchte ich die Wiederholungen von simplen Qi Gong-Übungen und manchmal hat mich die Taijiquan-Form mehr interessiert.

Und in der letzten Zeit habe ich meine Qi Gong-Praxis wieder mal vernachlässigt. Da kam es mir gerade recht, als ich davon hörte, dass Howard Choy in München einen Workshop zum Thema “Taiji Qi Gong” anbot.

Ich wollte sowieso gerne mal bei Howard Choy lernen, da auch mein aktueller Taijiquan-Lehrer schon bei ihm gelernt hatte. Und dann noch ein Qi Gong-Workshop, der mich direkt in meiner Entwicklung beim Taijiquan unterstützt – diese Idee fand ich toll.

Inzwischen hat der Workshop stattgefunden. Wir haben die Qi Gong-Übungsfolge Wenwu Yijinjing (文武易筋經) gelernt. Es war ein herrliches Wochenende. Nicht nur, weil dieses Qi Gong-Set für mich anscheinend gerade genau das Richtige ist. Sondern auch, weil ich viele andere Ideen und Erkenntnisse mitgenommen habe.

Qialance_HowardChoySo hat Howard Choy an einer Stelle etwas sehr Interessantes gesagt, über das ich seitdem immer wieder nachdenke:

Mit Qi Gong zahlst Du auf Dein Konto ein, mit Taijiquan hebst Du ab.

Jetzt verstehe sogar ich, warum es so wichtig ist, Qi Gong zu üben! (Immerhin bin ich Tochter von zwei Bankkaufleuten, ich habe quasi das Konzept des Kontos schon mit der Muttermilch aufgenommen.)

Du kannst also im Taijiquan erst dann mit Qi arbeiten, wenn Dein Qi-Konto so richtig schön prall gefüllt ist.

Das Konto wird etwas leerer, wenn Du Taijiquan machst. So richtig in die Miesen kommst Du natürlich, wenn Du auch noch viel arbeitest, Dich seltsam ernährst, rauchst, etc. Aber mit Qi Gong kannst Du Dein Konto wieder auffüllen.

Also nehme ich mir jetzt vor, wieder mehr Qi Gong zu üben. Mein Konto zu füllen, damit ich es dann im Taijiquan so richtig krachen lassen kann!

Angelika

P.S.: Der nächste Workshop mit Howard Choy, in dem er nochmals auf die Verbindung von Qi Gong und Taijiquan eingehen wird, ist im Januar. Nähere Informationen dazu bekommst Du beim Taiji Qi Gong e.V. Vielleicht sehen wir uns ja dort?

 

6 Ideen, um täglich Taijiquan und Qi Gong zu üben

Ich bin davon überzeugt, dass Du erst dann so richtig von Taijiquan und Qi Gong profitierst, wenn Du jeden Tag übst. Deshalb habe ich nochmal ein paar Ideen gesammelt, wie Du Dich zum täglichen Üben motivieren kannst:

Hab Spaß! Übe das, was Dir gerade gut tut und Dir Freude bereitet. Nicht umsonst gibt es Leute, die vom Taijiquan spielen reden (auch wenn ich selber das seltsam finde, siehe hier). Ich empfehle Dir, statt verbissen Dein Programm abzuspulen: spiele!

Stell Dir vor, wie es Dir in Zukunft gehen wird. Stell Dir vor wie Du beweglicher, entspannter, gesünder wirst. Lass Dich von diesem Bild mitreißen und fange an zu übe.

Ziel: langes Leben! Mein Ziel ist es, so lange zu leben, dass ich meine Enkelkinder sehen kann – und mit ihnen toben kann! Was ist Dein Ziel?

Entspann Dich „echt“! Manchmal möchte man nach einem anstrengendem Tag einfach nur auf dem Sofa zusammenbrechen. Nutze die Gelegenheit, Dich körperlich und geistig wirklich zu entspannen. Lauf Deine Form oder mach eine schöne Qi Gong-Übung.

Such Dir einen Trainingspartner. Vielleicht gibt es ja in Deiner Gruppe eine Person, mit der Du Dich öfter treffen möchtest zum üben und fachsimpeln.

Lies ein motivierendes Buch – am bestens eins mit Übungen, damit Du Lust bekommst, anzufangen. Ich greife in solchen Momenten gerne zu Meister Li’s Mit dem Herzen lächeln: da sind einfache Übungen drin, die ich gleich machen kann und schon bin ich am Üben!

Ich habe mir ja auch Anfang des Jahres vorgenommen, jeden Tag zu üben: Taijiquan, Qi Gong oder Meditation. Und bisher klappt es auch recht gut. Wie sieht es bei Dir aus? Übst du täglich?

Angelika

 

Es geht nicht darum, JETZT ALLES RICHTIG zu machen

Ein Grund, warum viele nicht zuhause Taijiquan und Qi Gong üben, ist dieser: “Aber ich kann doch die Übung oder die Form noch gar nicht richtig!”

Nun ja, die Sache ist die: Niemand kann Qi Gong oder Taijiquan perfekt richtig. Du nicht, Dein Lehrer nicht, die Lehrerin Deines Lehrers nicht, der Meister der Lehrerin Deines Lehrers kann die Form auch nicht PERFEKT. Stell Dir vor: es kann wirklich niemand auf dieser Welt absolut perfekt Taijiquan oder Qi Gong!

Ich bin davon überzeugt, dass jedeR noch dazulernen kann. Nur wer noch lernen kann, kann auch wachsen. Selbst der meisterlichste Meister kann doch noch lernen und wachsen!

Lernen und wachsen hört nie auf. Egal, wie lange Du schon Taijiquan und Qi Gong machst, Du kannst immer weiter lernen und wachsen. Ist das nicht sehr beruhigend? Du wirst immer mehr dazulernen. Also übe was Du jetzt verstanden hast und übe das, wo Du Dir noch nicht sicher bist. Entdecke die Bewegungen.

Beim Taijiquan und Qi Gong geht es nicht nur darum, den Körper zu entspannen und gut zu bewegen. Entspanne Deinen Geist, indem Du nicht nach Perfektion strebst, sondern einfach übst!

Ich habe letztens dazu eine schöne Erzählung entdeckt.

Die Geschichte handelt von einem eifrig Meditierendem. Nachdem er sich jahrelang auf ein ganz bestimmtes Mantra konzentriert hatte, hatte er genug Erkenntnis erlangt, um zu unterrichten. Seine Demut war noch nicht so ausgeprägt, aber die Lehrer des Klosters fanden das unbedenklich.

Nach einigen Jahren erfolgreichen Unterrichtens dachte der Meditierende, er müsste nicht mehr von anderen lernen. Als er aber von einem berühmten Eremit hörte, der nicht weit entfernt wohnte, wollte er die Gelegenheit nutzen, ihn zu besuchen.

Der Eremit lebte allein auf einer Insel inmitten eines Sees. Also warb der Meditierende einen Mann mit Boot an, der ihn hinüberfahren sollte.

Der Meditierende begegnete dem Eremit mit großem Respekt. Während sie zusammen einen Tee trenken fragte der der Meditierende den Eremiten nach seiner spirituellen Praxis. Der alte Mann sagte, er hätte keine spirituelle Praxis, außer einem Mantra, das er die ganze Zeit für sich wiederhole. Der Meditierende war erfreut zu hören, dass der Eremit dasselbe Mantra sprach wie er selbst. Aber als er den Eremit das Mantra laut sprechen hörte, war er entsetzt!

“Was ist falsch”, fragte der Eremit.

“Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber ich befürchte, Sie haben Ihr ganzes Leben vergeudet! Sie sprechen das Mantra nicht richtig aus!”

“Oh, das ist ja furchtbar. Wie sollte ich es denn sagen?”

Der Meditierende erklärte dem Eremiten die korrekte Aussprache und der Alte war dafür sehr dankbar. Er bat darum, sich nun allein dem korrekten Mantra widmen zu dürfen.

Auf der Fahrt zurück zum Ufer sprach der Meditierende, der sich nun als Lehrer bestätigt sah, über das traurige Schicksal des Eremiten. “Es ist so ein Glück, dass ich ihn besucht habe. Wenigstens wird er nun Zeit haben, das Mantra korrekt zu üben, bevor er stirbt.”

In dem Moment sah der Meditierende den schockierten Blick des Bootsführers und drehte sich um. Der Eremit stand respektvoll neben dem Boot auf dem Wasser.

“Entschuldigen Sie bitte, ich möchte Sie nicht weiter belästigen. Aber ich habe die korrekte Aussprache schon wieder vergessen. Könnten Sie sie bitte für mich wiederholen?”

“Sie benötigen es offentlich nicht”, stammelte der Meditierende, aber der alte Mann bestand, bis der Meditierende es nochmals aussprach. Der Eremit wiederholte das Mantra sehr vorsichtig und langsam, wieder und wieder, als er über das Wasser zurück zur Insel ging.

Diese Geschichte erklärt doch sehr schön, dass es gar nicht so wichtig ist, JETZT ALLES RICHTIG zu machen. Sondern es geht vielmehr darum zu üben. ÜBEN ÜBEN ÜBEN.

Lass Dein Qi fließen!

Angelika