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Interview mit Jörg Roth (Blog: Tai Chi Akademie Kaiserslautern)

Nachdem ich Dir vor ein paar Wochen Martin Bödicker von der Tai Chi-Ecke vorgestellt habe, möchte ich Dir nun einen weiteren Taijiquan- und Qi Gong-Blogger vorstellen.

Nämlich Jörg Roth von der Tai Chi Akademie Kaiserslautern.

Kannst Du bitte ein bißchen mehr zu Deiner Person sagen:

Mein Name ist Jörg Roth, geboren am 09.02.1978. Beruflich bin ich Sänger der Rockband Saltatio Mortis.

Außerhalb der Touren mit Saltatio Mortis unterrichte ich Shaolin Kung Fu und Meditation an der Tai Chi Akademie Kaiserslautern.

Tai Chi und Qi Gong lerne ich bei unserem Großmeister Adelino Rondali und weiteren Meistern in Deutschland und China. Tai Chi und Qi Gong lerne ich schon seit 10 Jahren, seit 8 Jahren habe ich mein Training um Kung Fu erweitert.

JoergRoth_TaiChiAkademieKaiserslauternWelchen Stil machst Du und warum?

Ich trainiere Tai Chi Chen- und Yang-Stil, sowie Kung Fu und Qi Gong.

Im Kung Fu liegt mein Schwerpunkt in den Formen des Shaolin Tempels. Im Tai Chi interessiert mich besonders der Chen Stil, auch wenn ich im Moment zuerst meine Ausbildung im Yang-Stil fördere.

Setzt Du Dir einen besonderen Schwerpunkt, z.B. Gesundheit, Kampf, Meditation, Philosophie…?

Ich bin der Meinung, dass man keinen dieser Schwerpunkte voneinander trennen sollte. Aus diesem Grund habe ich vor 2 Jahren auch meine chanbuddhistische Ausbildung bei Meister Curtis-Clavin Dietrich begonnen.

Was ist der größte Nutzen von Taijiquan/Qi Gong für Dich? Wobei hilft es Dir?

Der größte Nutzen ist für mich die Entschleunigung unserer hektischen Welt. Das Schöpfen von neuer Energie und der körperliche Ausgleich.

Ich habe mit Tai Chi wegen einer Herz-/Kreislauferkrankung begonnen. Nach 2 Jahren konnte ich alle Medikamente absetzen und bin nun mit 37 Jahren fitter und gesünder als ich es mit 25 war.

Was würdest Du jemandem raten, der/die schon länger Taijiquan macht?

Öfter mal an externen Seminaren in aller Welt teilnehmen und verschiedene Meister besuchen. Am wichtigsten ist aber, dass man nie glaubt man hätte alles gelernt und wäre sehr gut in Tai Chi oder Qi Gong.

Ich bin fest davon überzeugt, dass man egal wie lange man diese Kampfkünste betreibt, immer noch Lehrer oder einfach Menschen trifft, die einem einen neuen Aspekt oder neues Wissen mit auf den Weg geben können.

Meiner Meinung nach endet die Ausbildung mit dem letzten Atemzug.

Da stimme ich Dir zu. Das finde ich persönlich beruhigend, zu wissen, dass ich bis an mein Lebensende immer weiter lernen kann. Natürlich möchte man trotzdem immer besser werden. Wie geht das, Deiner Meinung nach?

Mit beharrlichem Üben und einem offenen, hörenden Herzen.

Wer waren bzw. sind Deine wichtigsten LehrerInnen?

Meine wichtigsten Lehrer sind:

Großmeister Adelino Rondali (Tai Chi Akademie Kaiserslautern): er hat mich sozusagen Laufen gelehrt. Außerdem verbindet uns jahrelanges Vertrauen.

Meister Curtis Clavin Dittrich (Dao Jun) ist mein geistiger Mentor.

Shi Yan Rui (Shaolinzentrum Bielefeld) ist einer der besten Freunde, die ich je hatte.

Außerdem sind da noch:

  • Shi Yong Dao (Shaolin Tempel Deutschland in Berlin)
  • Shi Yan Yao (Shaolin Tempel Deutschland in Berlin)
  • Shi Yan Kai (Shui Yu Tempel China)
  • Shi Yan Zaho (Shaolin Tempel China)
  • Shi Yan Fey  (Shaolin Tempel China)

Wo Du gerade vom Shaolin Tempel in China sprichst: Was reizt Dich daran, dort zu trainieren?

In China hat man einen ganz anderen Lehrstil als in Deutschland. Es wird nicht so viel geredet oder erklärt. Man muss seinen Weg selbst finden und auf seinen Körper hören. Die Meister zeigen einem den Ablauf und korrigieren die Bewegungen. Alles weitere muss man durch Achtsamkeit selbst erfahren.

Die Atmosphäre in China ist einfach wundervoll. Man verbringt Wochen mit Menschen, die ähnliche Ziele und Interessen haben. Außerdem kann man dort wunderbar seine Grenzen erfahren und erweitern.

Sprichst Du eigentlich Chinesisch?

Bei Chinareisen sind Sprachkenntnisse wirklich empfehlenswert. Manche kleinen Geheimnisse der Kampfkünste werden einem einfach erzählt, wenn man es versteht. Wenn der unterrichtende Meister sich mit Dir unterhalten kann, ist das Eis sofort gebrochen und das Training ist viel besser auf die eigenen Ziele abgestimmt. Außerdem erlebt man dann unvergessliche Dinge auch außerhalb des Trainings.

Wem würdest Du so eine Reise empfehlen?

Ich empfehle jedem Interessierten solche Reisen. Aber man sollte auch mal wagen andere Ziele oder Kampfkünste zu erleben. Das hilft oft Unklarheiten in dem Primärtraining zu überwinden.
Ich werde nächstes Jahr erst mal nach Indien reisen um einen Einblick in Kalari Payattu zu erhalten.

Oh, das klingt ja spannend! Aber wenn man nun nicht so weit reisen kann, gibt es vielleicht Bücher, die Du empfehlen kannst?

Meister Dietrich hat mich gelehrt, dass ich keine Bücher lesen soll, sondern meinen eigenen Erfahrungen mehr Gewicht geben soll. In Büchern findet man immer nur die Meinung eines anderen Menschen.

Ich tausche Erfahrungen lieber mit anderen Menschen als mit Papier. Man kann viel mehr erleben, wenn man mit Menschen direkt spricht und ihre Meinung direkt hinterfragen und mit der eigenen vergleichen.

Vielen Dank an Jörg für dieses interessante Interview!

 

Wenn Du mehr von Jörg lesen möchtest, dann klick Dich rüber zur Tai Chi Akademie Kaiserslautern. Dort findest Du z.B. Jörgs Bericht aus China.

Angelika

P.S.: Also ich gebe jetzt mal zu, dass ich in den letzten Jahren wirklich sehr wenig Musik gehört habe. Außer mehrmals wöchentlich Ritter Rost mit meinen Kindern. Aber ich habe mal bei Jörgs Band Saltatio Mortis reingehört und kann Dir von diesem Album dieses Lied empfehlen: Wo sind die Clowns in dieser Welt.

 

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Interview mit Martin Bödicker (Blog: Die Tai Chi-Ecke)

Wenn Du schon länger auf meinem Blog mitliest weißt Du, dass es mir sehr wichtig ist, Dir auch andere Taijiquan- und Qi Gong-Blogger vorzustellen. Die Liste aller deutsch- und englischsprachigen Blogs, die ich bisher gefunden habe, findest Du bei mir unter Qi-Blogs.

Aber ich möchte mehr über den Menschen hinter einem Blog erfahren, deshalb werde ich einige BloggerInnen interviewen. Und ich freue mich sehr, dass beim ersten Interview Martin Bödicker von der Tai Chi-Ecke mitmacht!

Martin BödickerZu meiner Person: Ich bin Doktor der Chemie und Diplomregionalwissenschaftler Ostasien. Ich habe lange Zeit das Forum für traditionelles Wu Tai Chi Chuan in Düsseldorf geleitet. Heute führe ich einen Fachverlag für Literatur rund um das Thema Tai Chi Chuan, Kampfkunst und China und blogge fleißig zu diesen Themen.

Seit wann machst Du Taijiquan/Qi Gong?

Während meiner Studienzeit in Düsseldorf übte ich Taekwondo- und Aikido. Schon recht früh, 1986, traf ich auch auf meinen Tai Chi-Lehrer Ma Jiangbao, der das vollständige System des Wu-Stil unterrichtete. Seit dem bin ich sein Schüler. Ich liebte das Training bei ihm (aus Altersgründen hat Ma Jiangbao seine Lehrtätigkeit beendet) und so war für mich der Lehrer (und seine Tai Chi-Familie in Shanghai) immer wichtiger, als welchen Stil ich übe. Ich mag alle Bereiche des Tai Chi Chuan, bin aber von Anfang an vom Pushhands besonders fasziniert gewesen.

Was ist der größte Nutzen von Taijiquan für Dich? Was hat sich für Dich verändert seit Du das machst?

Ich habe recht früh mit dem Unterricht des Tai Chi Chuan begonnen. Dort fand ich auch viele Freunde und so wurde diese Kunst schnell ein fester Bestandteil meines Lebens. Auch meine Frau sollte ich hier kennenlernen. Nach Abschluss meiner beiden Studiengänge bin ich zusammen mit meiner Frau professioneller Tai Chi-Lehrer/in geworden. Vor sechs Jahren habe ich meine Lehrtätigkeit beendet und mich ganz auf den Verlag und das Übersetzen von Tai Chi-Literatur konzentriert. So kann ich sagen, dass Tai Chi Chuan ein wesentlicher Teil meines Lebens ist.

Was würdest Du jemandem raten, der/die schon länger Taijiquan macht? Wie wird man immer besser?

Ein zentrales Element für den Fortschritt im Tai Chi Chuan ist für mich das Pushhands. Die Form kann von einem jeden intensiv alleine geübt werden. Aber dies kann auf Dauer für den Fortgeschrittenen nur noch zu mäßigem Fortschritt führen. Durch intensives Studium des Pushhands kann man sich aber leicht weiterentwickeln. Die Wechselwirkung zwischen Form und Pushhands ist doch enorm. Dabei sollte das Studium des Pushhands nach Möglichkeit auch stilübergreifendes Training beinhalten. So kann man das Erlernte testen und mit dem Feedback weitere Fortschritte vorbereiten.

Kannst du das noch etwas ausführen? Was bringt das Pushhands genau?

In den Klassikern heißt es: „Die Form vermittelt einem das Wissen von einem selbst. Das Pushhands vermittelt das Wissen vom anderen.“

Tai Chi Chuan ist als Kampfkunst kreiert worden. Um einen möglichst großen Fortschritt zu erreichen, sollten beide Aspekte, die Grundlage und die Anwendung, geübt werden. In der Anwendung, dem Pushhands, kann man sich Anfangs voll auf das Fühlen (tingjin) konzentrieren. Nach und nach wird es einem gelingen, den anderen und sich selbst besser wahrzunehmen. Diese bessere Wahrnehmung führt einem zum Verstehen (dongjin). Man wird Bewegungen, Kräfte, aber auch feinere Nuancen, wie Absichten des anderen einordnen und beantworten können. Von hier aus gibt es zwei mögliche Entwicklungen.

  1. Man ist mit diesem Stand der Entwicklung zufrieden und spiegelt ihn in das Formtraining zurück.
  2. Man entwickelt sich weiter in realistischere Techniken des Kampfes.

Am Ende gibt einem das Pushhands die Freiheit, sich auf vielen Ebenen zu entwickeln. So bewahrheitet sich dann der Satz aus dem „Klassiker des Tai Chi Chuan“:

„Es schweigend zu ergründen, bis man nach und nach frei ist, den Wünschen seines Herzens zu folgen.“

Ma Jiangbao und Martin Bödicker

Wer waren bzw. sind Deine wichtigsten LehrerInnen?

Neben Ma Jiangbao, waren sein Vater Ma Yueliang und seine Brüder Ma Hailung und Ma Jianglin für mich sehr wichtig. Daneben möchte ich meinem Aikido-Lehrer Eginhard Köhler recht herzlich danken. Das Aikido-Training mit ihm war auch eine sehr wichtige Zeit für mich.

Welche Bücher nimmst Du immer wieder gerne zur Hand?

Ich lese grundsätzlich sehr viel über Tai Chi Chuan – in Form von Büchern, aber auch im Internet. Immer wieder zur Hand nehme ich die Klassiker, gerne auch im Original.

Gerade habe ich wieder einmal über die natürliche Bewegung nachgedacht und dazu mir das Kapitel zur „bewussten Bewegung“ aus den Klassikern rausgesucht. Einfach klasse und so aktuell. Es heißt im Text 3 der „40 Texte der Familie Yang“, dass der Mensch zwar ursprünglich die natürliche Bewegung beherrscht, dass er diese aber durch (schlechte) Angewohnheiten verliert. Wie kehrt man zu ihr zurück?

Durch das Tai Chi-Training der bewussten Bewegung. Der Klassiker erläutert dann das Wort „bewusst“ näher. Es besteht aus zwei chinesischen Schriftzeichen: Erkenntnis und Fühlen.

Erst durch eine harmonische Kombination dieser zwei wird man zur natürlichen Bewegung zurückkehren können. Es bedarf also beidem, sowohl rationalem Durchdenken von Bewegung, als auch dem intuitivem Fühlen dessen, was passiert. Diese zwei sind wie Yin und Yang und erst zusammen ergeben sie das Tai Chi. Genau so habe ich es in meinem Unterricht gelernt und ich habe auch immer versucht, diesen Punkt an meine Schüler weiterzuvermitteln.

 

Martin, vielen Dank für das interessante Interview!

Und falls Du mehr von Martin lesen möchtest, hier geht es zur Tai Chi-Ecke!

Angelika

 

Freundeskreis Qigong und Taijiquan

Wie Du vielleicht schon weißt, ich mache unglaublich gerne Taijiquan und Qi Gong. So gerne, dass ich sogar einen Blog darüber schreibe! Und weil ich es selber so gerne mache hoffe ich, dass ich andere (Dich!) motivieren kann, damit anzufangen. Oder wenn der Anfang schon gemacht ist, möchte ich Dich dazu bewegen, dass Du Dich immer mehr mit den chinesischen Bewegungskünsten auseinandersetzt. So dass Dein eigenes Üben noch häufiger, länger und intensiver werden kann.

Und zum Glück gibt es sehr viele andere Menschen, die sich auch gerne mit Taijiquan und Qi Gong beschäftigen und lernen und wachsen wollen. Und seit Sommer 2015 bildet sich eine Gruppe mit genau solchen Menschen.

Die Idee dazu stammt von Wilhelm Mertens. Er meint, dass in den letzten Jahrzehnten das inhaltliche und fachliche Niveau der Qi Gong- und Taijiquan-Gemeinde deutlich gewachsen ist. Es gibt inzwischen einige etablierte Medien und Organsationen. Die sehen Taijiquan und Qi Gong auch (oder vornehmlich) als Geschäft. Wilhelm möchte nun einen nicht-kommerziellen virtuellen Raum für Taijiquan- und Qi Gong-Liebhaber initiieren, nämlich den Freundeskreis Qigong und Taijiquan.

Im Vordergrund sollen Austausch und Kontaktpflege sowie die Entwicklung von gemeinsamen Projekten stehen. Wie in einem Freundeskreis üblich soll nicht nur konsumiert werden, sondern alle Freundinnen und Freunde bringen sich mit den eigenen Stärken, Kenntnissen und Fähigkeiten ein.

Dabei soll bewusst kein Verein gegründet werden. Das finde ich eine wahrhaftig erfrischende Idee. Somit gibt es keine Posten, keinen Kassenwart, keine Vereinsmeierei etc. Stattdessen soll die Liebe und Leidenschaft zu Taijiquan und Qi Gong den Freundeskreis verbinden. Und dank dem Internet geht das ja heutzutage auch unabhängig davon, wo man wohnt.

Es gibt schon eine kleine Homepage, dort beschreibt Wilhelm seinen Vorschlag:

prov-logo„Eine sich über das Web organisierende Gemeinschaft, bei der man sich anmeldet und mitgestaltet. Wichtig ist, dass man nicht nur etwas haben möchte, sondern für die Gemeinschaft etwas über hat. Ähnlich wie bei Wikipedia kann jeder sein Know-how einbringen. Die Gemeinschaft kontrolliert sich so selbst. Sich bewusst werden, was man teilen möchte, sich für Projekte Mitstreiter suchen, notwendige Mittel und Ressourcen projektbezogen einwerben. Raum bieten für Nachdenklichkeit, in die andere mit einbezogen werden können. Es gibt keinen Verein, keinen Vorstand oder keine sonstige Ämter. Es funktioniert aus dem Bedürfnis und den Möglichkeiten der Situation selbst, und nicht geprägt durch Macht und Geld. 

Verschiedene zu gestaltende Bereiche:

1. Informationen, Wissen und Kenntnisse. (Gestaltungsmodus)

2. Betrachtungen, Einschätzungen, Beurteilungen und Nachdenklichkeit. (Verstehen-Modus)

3. Projekte und ihre Beschreibung. (Suche nach Mitstreitern und Ressourcen)

4. Angebote zur Unterstützung unbezahlt!!! (als Pate, Mentor, Mediator)

Ich denke, in all diesen Bereichen können Bedarf und Möglichkeit, im Interesse eines persönlichen Wachstums oder der Gemeinschaft, zusammenfinden.

Es kann gleich losgehen. Wer kann und möchte hierzu etwas beitragen? Ich würde mich freuen, wenn es so etwas gibt. Ich kann und will nicht der Macher sein und verstehe von vielen Dingen zu wenig. Meinen Teil werde ich hier aber einbringen.

Auf ein frohes Gelingen!!!!“

Ja, dem möchte ich zustimmen: ich freue mich auf ein frohes Gelingen!

Wie findest Du denn die Idee? Möchtest Du Dich auch beim Freundeskreis Qigong Taijiquan engagieren? Und was kannst Du ggfs. beitragen?

Lass Dein Qi fließen!

Angelika